Nekrophosis: Volles Bewusstsein

Nekrophosis: Volles Bewusstsein

4

✓ Was uns gefällt

  • 🟢 Äußerst originelle und verstörende künstlerische Leitung
  • 🟢 Hervorragende Verwendung von kosmischem Horror und symbolischer Erzählweise
  • 🟢 Ein einzigartiges Erlebnis für Liebhaber kontemplativen Horrors.

✕ Was uns nicht gefällt

  • 🔴 Sehr einfaches und oberflächliches Gameplay
  • 🔴 Rätsel sind oft zu vorgegeben
  • 🔴 Geringe Vielfalt bei den Mechaniken
  • 🔴 Verkürzte Lebenserwartung
Necrophosis: Full Consciousness erscheint nach seinem PC-Debüt 2025 nun auch für Konsolen. Das verstörende Horrorspiel von Dragonis Games wird am 28. Mai 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S veröffentlicht und bietet ein umfassendes Spielerlebnis inklusive des zusätzlichen DLCs „Forbidden Path“. Wir haben es bereits auf der PS5 Pro angespielt und sind in das abgründige Universum von Necrophosis eingetaucht – ein psychologischer Horror, der Verfall in visuelle Kunst verwandelt. Der Titel entführt uns in eine kosmische, zerfallende Welt, die eindeutig von Lovecrafts Bildsprache inspiriert ist und in der jede Szene das Ende von Materie und Bewusstsein selbst zu verkörpern scheint.

Die Kunst des Makabren

Was von den ersten Minuten an besonders auffällt, ist die künstlerische Gestaltung, stark beeinflusst von den Werken des surrealistischen Malers Zdzisław Beksiński: Organische Landschaften, unmögliche Gebilde, deformierte Körper und Schauplätze zwischen Traum und Albtraum erzeugen eine bedrückende und zutiefst verstörende Atmosphäre. Die trostlose Landschaft, die verstümmelten Körper und die gesamte Spielumgebung vermitteln durchgehend ein beunruhigendes, fast erdrückendes Gefühl der Qual. Jeder Bereich scheint in seinem Verfall zu leben: Wände aus Fleisch, abgenutzte Statuen, reglose Kreaturen und unmögliche Architektur tragen dazu bei, eine ebenso faszinierende wie verstörende Welt zu erschaffen. Es sei jedoch klargestellt, dass Necrophosis kein Horrorspiel ist, das im herkömmlichen Sinne des Wortes Angst erzeugen soll. Das Spiel zieht es vor, den Spieler durch eine poetische, kryptische und zutiefst verstörende Erzählung langsam zu beunruhigen. Diese besteht aus zu lesenden Texten, Symbolik und Dialogen mit unbekannten Wesen, die das Gefühl der Unzulänglichkeit und Desorientierung stetig verstärken.

Die Reise eines Bewusstseins

Wir schlüpfen in die Rolle eines einfachen Bewusstseins, das durch dieses dekadente Universum wandert – einen Ort, an dem selbst der Tod zu sterben scheint. Es ist eine beinahe spirituelle Reise in die Nekrophysik, zwischen verlorenen Seelen, rätselhaften Gestalten und Kreaturen, die unverkennbar an die griechische Mythologie erinnern: Dekadente Gottheiten, Fährmänner der Toten und jenseitige Wesen begleiten den Spieler auf einem Pfad zwischen Traum, Verdammnis und existenzieller Reflexion. Es ist ein bewusst gemächlich inszeniertes Abenteuer, das vor allem auf Erkundung, Interaktion mit der Umgebung und dem Lösen von Rätseln basiert, um den Weg in jene dunkle Welt zu öffnen, die kein Bewusstsein zu betreten wagt.
Es gibt keine wirkliche Action oder Kämpfe: Alles basiert auf einer geführten Erkundung, die den Spieler langsam tiefer in die Dunkelheit dieses zerfallenden Universums führt. Auch das Gameplay trägt zum Unbehagen bei: Die Annäherung an bestimmte Wesen, die in der Spielwelt verstreut sind, ist nie beruhigend und vermittelt oft ein starkes Gefühl von Angst und Verletzlichkeit. Selbst ohne auf Actionsequenzen oder ständige Schreckmomente zurückzugreifen, gelingt es Necrophosis, allein durch seine Bühnenpräsenz, verstörende Geräusche und visuelles Unbehagen eine ständige psychologische Spannung aufrechtzuerhalten. Es ist daher kein Spiel für besonders sensible Spieler.

Anregend, aber….

Die von uns getestete PS5-Version enthält außerdem den DLC „Verbotener Pfad“, wodurch sich die Spielzeit auf etwa dreieinhalb Stunden verlängert. Das ist zwar eine moderate Länge, passt aber zum Charakter des Spiels, das mehr Wert auf Atmosphäre als auf umfangreiche Inhalte legt.
Und genau hier zeigen sich die größten Schwächen des Spiels. Trotz einer äußerst eindrucksvollen künstlerischen Gestaltung ist das Gameplay recht simpel und eintönig. Die Rätsel sind zwar mitunter gut konstruiert, aber oft sehr vorhersehbar und lassen dem Spieler wenig Raum für Interpretation oder Experimente. Mit der Zeit wird die Struktur unweigerlich repetitiv, und die Rätsel wirken eher wie eine Beilage zum kosmischen und höllischen Wahnsinn auf dem Bildschirm als ein wirklicher Kernbestandteil des Spielerlebnisses.
Es wirkt fast so, als ob das Ziel der Entwickler weniger darin bestünde, eine komplexe spielerische Herausforderung zu schaffen, als vielmehr den Spieler durch einen langen Tunnel aus Leid, Verfall und existenzieller Angst zu führen. Für diejenigen, die diese Art von künstlerischer Darstellung und kontemplativem Horror mögen, kann Necrophosis eine faszinierende Reise in die Tiefen stillen und verstörenden Leidens sein. Aus rein spielerischer Sicht mangelt es jedoch an wirklich unterhaltsamen Inhalten, und die Spielmechaniken entwickeln sich im Laufe des Abenteuers nur schleppend weiter.
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Dunkelral

Hardcore-Spieler, Action-RPG- und Metroidvania-Fan, geboren 1987 und aufgewachsen in Spielhallen.
Er liebt es, die Funktionsweise des Kampfsystems jedes einzelnen Titels zu entdecken, das Gameplay zu analysieren und seine Eindrücke mit der Community zu teilen.

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