Halo: Campaign Evolved
✓ Was uns gefällt
- 🟢 Genossenschaftsmitgliedschaften jetzt verfügbar
- 🟢 Originalgefühl
- 🟢 Großer Fortschritt in der Grafik
✕ Was uns nicht gefällt
- 🔴 Ein schwaches Prequel
- 🔴 Die Wegeleitsysteme sind zu aufdringlich.
- 🔴 Fehlender PvP-Mehrspielermodus
Der Wiedereinstieg in Alpha Halo 2026 ist eines dieser Erlebnisse, die einem eine seltsame Art von nerdiger Schwindel bescheren, fast vergleichbar mit dem Moment, als wir das erste VR-Headset ausprobierten oder als wir zum ersten Mal ein QD-OLED-Panel sahen.

Halo: Combat Evolved, das 2001 erschien, brachte nicht nur die erste Xbox auf den Markt und ließ uns den ganzen Sommer lang wie verrückt dafür schuften (mit diesem klobigen Duke-Controller und Händen, die nach einer halben Stunde um Gnade flehten), sondern revolutionierte buchstäblich die Genre-Philosophie von Konsolen-Shootern. Seitdem hat der Master Chief, dank Anniversary Edition und Master Chief Collection, eine beachtliche Entwicklung durchgemacht. Doch nun greifen Microsoft und die Entwickler von Halo Studios (dem neuen Namen des traditionsreichen Studios 343 Industries) mit Halo: Campaign Evolved nach dem ganz großen Wurf.

Diesmal gibt es keinen kompetitiven Mehrspielermodus, was all jene enttäuschen dürfte, die nostalgisch an LAN-Abende auf Blood Gulch zurückdenken. Doch allein die Originalkampagne, komplett neu in der Unreal Engine 5 entwickelt, wird für rund 50 CHF angeboten (inklusive ihres historischen Debüts auf der PlayStation 5 – ein Ereignis, das jeden, der in den Konsolenkriegen der 2000er aufgewachsen ist, schwindlig machen dürfte). Ein riskantes Unterfangen, denn die Überarbeitung eines heiligen Gaming-Monuments birgt das Risiko, Schaden zu nehmen oder von der Last des eigenen Vermächtnisses erdrückt zu werden.

Wieder im Ring und zum ersten Mal
Die Handlung folgt den bekannten historischen Grundlagen (Master Chief erwacht aus dem Kryoschlaf, als die Pillar of Autumn zerstört wird, und flieht waghalsig zum Alienring), wird aber durch brandneue, äußerst filmreife und detailreiche Zwischensequenzen bereichert. Die Beziehung zwischen dem Chief und Cortana funktioniert hervorragend; die Ironie der KI bildet einen perfekten Kontrast zur Stoischen Ruhe unseres Lieblings-Spartaners. Die italienische Synchronisation ist insgesamt von guter Qualität, und es ist erfreulich, dass der ikonische Name “Chief” aus dem Titel von 2001 beibehalten wurde. Aufmerksamen Hörern fällt jedoch eine gewisse Unstimmigkeit auf: Manche historischen Stimmen (darunter auch die des Master Chief) wurden komplett neu synchronisiert, während andere direkt aus der Original-Audiodatei übernommen wurden.

Abgerundet wird die Geschichte durch das “Meteoriten”-Paket, drei bisher unveröffentlichte Prequel-Missionen, die ein Jahr vor den Ereignissen des Spiels spielen. Darin verbündet sich der Master Chief mit Sergeant Avery Johnson, um ein Covenant-Schiff zu infiltrieren. Nicht unbedingt notwendig, da das Tempo etwas gemächlicher ist und die Korridore dem Hauptabenteuer zu ähnlich sind, aber dennoch einige zusätzliche Stunden Hintergrundgeschichte, die eingefleischte Fans immer begrüßen werden.

Das Spiel, so wie wir es in Erinnerung hatten
Mit dem Controller in der Hand ist die Übertragung des ursprünglichen Spielgefühls auf die Unreal Engine 5 äußerst befriedigend. Das Gameplay ist im Grunde dasselbe wie zuvor (die etwas schwammigen Sprünge, die Körperphysik, selbst die Todesanimationen der Eliten scheinen detailgetreu nachgebildet zu sein), was dem Muskelgedächtnis enorm zugutekommt. Halo Studios hat jedoch geschickt Elemente aus späteren Teilen der Saga integriert. Wir können nun die Sprintfunktion nutzen (die sich mit einem Totenkopf deaktivieren lässt, wenn man ein anspruchsvolleres Spielerlebnis wünscht), mit jeder Waffe zielen und uns auf dem Schlachtfeld mit epischer Ausrüstung wie dem Energieschwert oder dem Nadelgewehr eindecken. Die klassische Lebensanzeige ist verschwunden und wurde durch einen wiederaufladbaren Schild ersetzt, während sich das Kampfsystem auf den Schwierigkeitsgraden Heroisch und Legendär erfrischt und noch dynamischer anfühlt.

Das Beste daran ist jedoch, dass die Koop-Kampagne, die online mit bis zu vier Spielern gespielt werden kann, von Anfang an verfügbar ist. Ganz klar: So muss Halo gespielt werden – gemeinsam mit Freunden das Chaos der Plasmagranaten und die unerwarteten Wendungen des Warthog erleben. Manche modernen Wegweiser (die Pfeile auf dem Boden in legendären Karten wie ’Die Bibliothek“ oder „Angriff auf den Kontrollraum“) wirken etwas zu durchdacht und schwächen das Gefühl der Orientierungslosigkeit ab, das das Original so großartig gemacht hat. Der grundlegende Spielablauf bleibt aber ein Juwel von seltener Brillanz.

Dein Ring ist wunderschön!
Rein visuell betrachtet ist der Generationssprung der Unreal Engine 5 gewaltig. Ehrlich gesagt, emotional betrachtet ist die Gesamtwirkung trotz der absolut modernen und zeitgemäßen Grafik fast dieselbe wie damals, da unsere Erinnerungen sie in einem viel schöneren Licht erscheinen lassen, als sie tatsächlich war. Doch vergleicht man einen Screenshot aus dem Jahr 2001 mit dieser neuen Produktion, wird deutlich, welch enormen Fortschritt die Grafik der neuen Ära darstellt. Die Vegetation der Karte „Silent Cartographer“, das Sonnenlicht, das sich in den Details der Mark-V-Rüstung spiegelt, oder die Plasmabeleuchtung in den verschneiten Höhlen bieten ein atemberaubendes visuelles Erlebnis.

Der Nachteil ist, dass einige Forerunner-Architekturen ihren ursprünglichen brutalistischen Look verloren haben und nun eine metallische Oberfläche aufweisen, die mitunter sogar zu glänzend wirkt. Außerdem ist die Waffenbewegung etwas unscharf, typisch für die Epic-Engine, was einige Nachbesserungen erfordern würde. Trotz dieser kleinen Kinderkrankheiten läuft der Performance-Modus weiterhin mit 60 Bildern pro Sekunde und garantiert so ein spektakulär flüssiges Gameplay.

Zurück ins Jahr 2001
Halo: Campaign Evolved war kein unbedingt notwendiges Remake, insbesondere angesichts der Fülle an Inhalten, die die stets beliebte Master Chief Collection zu einem günstigeren Preis bietet. Dennoch beweist die Arbeit der Halo Studios, dass Bungies ursprüngliche Formel einen so perfekten Kern besitzt, dass sie den Lauf der Zeit scheinbar unbeschadet überdauert. Ob Veteran, der die Geschichte zum x-ten Mal erleben möchte (auch ich habe unter anderem die Originalversion für macOS gespielt!), oder Neuling, der sich seiner Feuertaufe stellen muss (vielleicht sogar auf einer PlayStation 5 – welch ein Sakrileg!), diese Rückkehr zu Alpha Halo bietet ungemein viel Spielspaß. Ein nostalgisches und zugleich technisch beeindruckendes Werk, das die Hoffnung für die Zukunft einer der wichtigsten Videospielreihen aller Zeiten neu entfacht.
