Marathon

Marathon

5

✓ Was uns gefällt

  • 🟢 Gunplay Bungie
  • 🟢 CMYK-Ästhetik
  • 🟢 Dichte und vertikale Karten

✕ Was uns nicht gefällt

  • 🔴 Zerstreute Erzählung
  • 🔴 Das Onboarding ist überhaupt nicht klar
  • 🔴 Benutzeroberfläche

Mit Marathon kehrt Bungie endlich zu den großen Releases zurück – ein Projekt, das nicht nur eine Hommage an die Wurzeln des Studios ist, sondern auch ein mutiger Versuch, das Genre der Extraktions-Shooter im Jahr 2026 neu zu definieren. Wir sind Lichtjahre von der unbeschwerten Leichtigkeit von Destiny entfernt; hier ist die Atmosphäre dicht, beunruhigend und von einer retrofuturistischen Ästhetik durchdrungen, die direkt aus einer Voodoo-2-Box der 1990er-Jahre zu stammen scheint.

Wir erwachen als Hüllen, synthetische Hüllen, bereit, unser digitales Bewusstsein zu beherbergen, bevor wir auf die Oberfläche von Tau Ceti IV hinabsteigen, um die Überreste einer verschwundenen menschlichen Kolonie zu bergen. Der Spielablauf ist klassisch für das Genre: Man zieht los, plündert alles, was man finden kann, und versucht, einen Evakuierungspunkt zu erreichen, bevor ein anderer Spieler oder die UESC-Roboter uns in einen rauchenden Schrotthaufen verwandeln. Es ist ein Spiel, das Nervenstärke und schnelle Entscheidungen erfordert, in dem jeder Durchgang mit einem Triumph voller Beute oder einer frustrierenden Lache aus violettem synthetischem Blut enden kann.

Ein Universum aus Metall

Die Geschichte von Marathon wird einem nicht wie in einer traditionellen Kampagne auf dem Silbertablett serviert, sondern muss über Terminals, Audiologs und Gespräche mit der KI der verschiedenen Konzerne, die uns für unsere Dienste bezahlen, erschlossen werden. Diese Wesen, von anthropomorphen Betriebssystemen bis hin zu bizarren, intelligenten Seidenraupen, bieten Aufträge an, die uns dazu anhalten, jeden Winkel der Karten zu erkunden. Das Problem ist, dass die von den Entwicklern in Bellevue wie immer exzellent gestaltete Hintergrundgeschichte oft im Chaos des Voice-Chats mit den Teammitgliedern untergeht, die verständlicherweise lieber Daten extrahieren, als Code zu lesen. Schade, denn das Worldbuilding ist erstklassig und verbindet Konzernzynismus und kosmische Mystik auf eine Art, wie es nur Bungie kann.

Bungie-Waffenspiel

Wenn es etwas gibt, worüber man in einem Bungie-Spiel nicht scherzen sollte, dann ist es das Schussgefühl der Waffen, und Marathon bildet da keine Ausnahme. Es bietet wohl das beste Gunplay der Branche. Jedes Gewehr hat seinen eigenen Klang, einen rhythmischen Rückstoß und eine Reaktionsfähigkeit, die einem genau spüren lässt, wie viel Schaden man anrichtet – auch dank der sehr kurzen Tötungszeit, die Reflexe und taktisches Geschick belohnt. Während meine Freunde immer noch die Überlegenheit der Third-Person-Perspektive betonen, beweist dieses Spiel endgültig, dass man für wirklich funktionierende Schussmechaniken die First-Person-Perspektive braucht. Die verschiedenen Granaten sorgen mit ihren einzigartigen Fähigkeiten für zusätzliche Komplexität, wie die Unsichtbarkeit des Assassinen oder der Schild des Zerstörers, die im richtigen Moment eingesetzt den Kampf entscheiden können.

Fremdartige Architektur und ständige Gefahren

Die aktuell verfügbaren Karten sind zwar kleiner als die der Konkurrenz, aber sie sind sorgfältig gestaltet, um Begegnungen zu erzwingen und Geländekenntnis zu belohnen. Perimeter ist der ideale Einstiegspunkt, während Dire Marsh mit seinen weiten Sichtlinien, die Scharfschützen begeistern werden, neue Maßstäbe setzt. Das wahre Meisterwerk des Designs bleibt jedoch Outpost mit seiner extremen Vertikalität und dem gigantischen Pinwheel, das wie ein stummer Richter über den Spielern thront. Wer die ultimative Herausforderung sucht, findet im Cryo Archive eine Art PvPvE-Raid, der nur am Wochenende zugänglich ist. Hier kämpfen ambitionierte Spieler mit hochwertiger Ausrüstung um die beste Beute. Die Spannung ist hier greifbar, und jedes Geräusch kann ein Vorbote eines tödlichen Hinterhalts sein.

Hervorragende Ästhetik in einer feindseligen Schnittstelle

Man mag den Grafikstil des Spiels mögen oder nicht, aber sicher ist, dass es dank einer lebendigen CMYK-Farbpalette und atmosphärischer Effekte, die Tau Ceti IV zu einem wahren Augenschmaus machen, nicht fotorealistisch sein muss, um zu begeistern. Auf dem PC läuft es selbst auf älteren Systemen absolut flüssig, obwohl man für vollen Spielspaß immer noch einen leistungsstarken Rechner benötigt. Leider schwächelt das Spiel stark bei der Benutzeroberfläche: Ein Gewirr aus Menüs und generischen Symbolen wirkt unnötig komplex und selbst nach Dutzenden von Spielstunden alles andere als intuitiv. Es ist paradox, dass ein so erfahrenes Studio ein so umständliches Inventarmanagement entwickelt hat, bei dem man oft mit dem Cursor darüberfahren muss, um ein Modul vom anderen zu unterscheiden – ein kostbarer Zeitverlust in einem so anspruchsvollen Spiel.

Das endgültige Urteil über Tau Ceti

Marathon ist ein brutales, gnadenloses und dennoch unglaublich fesselndes Erlebnis, das die Essenz von Risiko und Belohnung perfekt einfängt und Extraktions-Shooter so süchtig machend macht. Bungie beweist, dass sie immer noch wissen, wie man packende Welten und packende Schießmechaniken erschafft, auch wenn manche Entscheidungen im Interface-Design gewöhnungsbedürftig sind. Der fraktionsbasierte Fortschritt fesselt den Spieler an den Bildschirm, und das modulare Loot-System ermöglicht tiefgreifende Anpassungen, ohne dabei zu sehr abzulenken. Wenn sie es schaffen, regelmäßig Updates zu veröffentlichen und die Macken der Software auszumerzen, könnte diesem Spiel trotz der starken Konkurrenz eine rosige Zukunft im PvPvE-Genre bevorstehen. Bis dahin heißt es aber: Bereiten Sie sich darauf vor, oft zu sterben, die Benutzeroberfläche zu verfluchen und sich Hals über Kopf in jeden einzelnen Schuss zu verlieben.

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Dave

Chefredakteur von Joypad, Sie finden ihn auch in sozialen Netzwerken @MrPipistro

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