Samsung The Premiere 5 (2025)
✓ Was uns gefällt
- Grünes, innovatives und vielseitiges Konzept
- 🟢 Elegantes und erstklassiges Design
- 🟢 Überraschende Audioqualität
- 🟢 Vollständiges Tizen-Ökosystem
✕ Was uns nicht gefällt
- Bildqualität enttäuschend (1080p)
- 🔴 Eingeschränkte Touch-Funktion
- 🔴 Tizen-Oberfläche langsam
- 🔴 Extrem hoher Preis
Kleine Taschenbeamer, ein Konzept, das uns hier bei Joypad immer wieder fasziniert. Nachdem wir in der Vergangenheit über die Freestyles gesprochen haben, machen wir heute mit einem weiteren Gerät von Samsung, The Premiere 5, einen deutlichen Sprung nach vorne. Ein Touch-Beamer, wie hätten wir widerstehen können?

Samsung versucht, die Messlatte höher zu legen und schlägt nicht nur einen kompakten und designorientierten Ultrakurzdistanzprojektor (UST) vor, sondern auch eine interaktive Oberfläche. Ein äußerst interessantes Konzept, das verspricht, jeden Tisch in ein riesiges Grafiktablett zu verwandeln. Aber verbirgt sich hinter einer so ehrgeizigen Idee und einem beträchtlichen Listenpreis, der in der Schweiz bei 1750 CHF liegt (zumindest in Online-Shops, auf der offiziellen Website sind es 1999 CHF), ein ausgereiftes Produkt oder ein teures Experiment mit zu vielen Mängeln?

Auf dem Papier
Auf dem Papier präsentiert sich der Premiere 5 mit einer modernen Ausstattung, aber mit einigen diskussionswürdigen Entscheidungen. Das Herzstück des Systems ist der NQP AI-Prozessor von Samsung, der ein Bild mit nativer 1080p Full HD-Auflösung verwaltet. Die Lichtquelle ist ein Triple Laser, der für gute Helligkeit sorgt und Quantum HDR (HDR10+, HLG)-Formate unterstützt. Der native Kontrast beschränkt sich jedoch auf bescheidene 1000:1. Die Audioausgabe erfolgt über ein 2-Kanal-System mit 10W und Dolby Digital Plus-Unterstützung sowie Smart-Funktionen wie Active Voice Amplifier und Adaptive Sound Pro. Die Konnektivität ist ein Schwachpunkt für ein Produkt aus dem Jahr 2025: Wir finden zwei Micro-HDMI-Anschlüsse und einen USB-C, aber das WLAN beschränkt sich auf den WiFi 5-Standard und Bluetooth auf 5.2. All dies wird vom Tizen-Betriebssystem orchestriert, dem gleichen wie bei Samsung Smart-TVs.

Geniale Eleganz
Aus Sicht des Designs enttäuscht der The Premiere 5 nicht. Sein Aussehen erinnert an einen High-End-Smart-Speaker mit einer Premium-Oberfläche und einem Gitterdesign, das sich perfekt in jede moderne Umgebung einfügt. Er ist kompakt und Obwohl er keinen eingebauten Akku hat, ist seine Portabilität eine Stärke. Das wahre Highlight ist der mitgelieferte Kunststoffständer: ein cleveres System, das mit einer befriedigenden magnetischen Verriegelung es ermöglicht, den Projektor nach unten zu neigen, um das Bild auf einen Tisch oder Boden zu projizieren. Die Installation ist einfach und die Stromversorgung über USB-C, obwohl das Netzteil etwas sperrig ist, bietet die Flexibilität, ihn mit einer ausreichend leistungsstarken Powerbank zu verwenden. Schade ist die Wahl der Micro-HDMI-Anschlüsse, die fast sicher den Kauf von nicht mitgeliefertem Zubehör erzwingen wird und zudem ein Format ist, das tendenziell anfälliger für physische Schäden ist.

Leistungen
Hier wird die Bewertung kompliziert. Einerseits hat der Projektor eine bemerkenswerte Helligkeit, die es ihm, wie wir feststellen konnten, ermöglicht, sich auch in nicht vollständig abgedunkelten Räumen gut zu behaupten, was ihn perfekt für den gelegentlichen “Lifestyle”-Gebrauch macht. Andererseits, wenn man nach filmischer Qualität sucht, zeigen sich die Grenzen. Die 1080p-Auflösung auf einem Bildschirm, der bis zu 100 Zoll erreichen kann, beginnt in die Jahre zu kommen. Das Bild ist zwar lebendig, aber stellenweise matt, weich und wenig definiert, ein Gefühl, das durch das bescheidene native Kontrastverhältnis bestätigt wird.

Darüber hinaus scheint HDR nicht mit allen Streaming-Apps korrekt zu funktionieren. Es ist ein Bild, das für den alltäglichen Gebrauch geeignet ist, aber Heimkinofans wird es enttäuschen. Im Gegenteil, die Audiokomponente ist eine angenehme Überraschung. Der Ton ist direkt, hat eine gute Lautstärke und eine unerwartete Präsenz für ein so kompaktes Gerät. Er ist mehr als ausreichend, um einen Film oder ein Video zu genießen, ohne unbedingt einen externen Lautsprecher anschließen zu müssen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil für ein Produkt, das Portabilität zu seinem Anspruch macht.

Tizen OS und die Touch-Oberfläche
Das Tizen-Ökosystem bietet ein umfassendes Smart-TV-Erlebnis mit Zugriff auf alle wichtigen Streaming-Apps, einem Gaming-Hub und erweiterten Funktionen wie Multi-View. Wie wir jedoch bereits bei anderen Samsung-Geräten festgestellt haben – vom Freestyle 2 bis zum Odyssey G9 OLED-Monitor –, erwies sich die Benutzeroberfläche, obwohl grafisch ansprechend, als langsam und wenig reaktionsfreudig. Das eigentliche, große Problem dieses Projektors ist jedoch seine herausragende Funktion: die Touch-Projektion. Die Idee, einen Tisch in eine interaktive Oberfläche zu verwandeln, ist faszinierend, doch die Umsetzung ist leider ein Reinfall. In unseren Tests auf verschiedenen Oberflächen (Tischdecken, Tische, Papierbögen, Fußböden) funktioniert das System nicht besonders gut: Oftmals kann es den Bereich nicht erfassen, und wenn es doch gelingt, muss die Projektionsgröße auch um den 70% herum verkleinert werden, um eine Erkennung zu erzielen. In anderen Fällen funktioniert es hingegen einwandfrei, allerdings meist nur in Situationen, in denen der Raum gut abgedunkelt ist.

Die größte Einschränkung ist jedoch das geschlossene Ökosystem: Die Touch-Funktion funktioniert nur mit Tizen-Apps oder mit einem Android-Gerät über SmartThings. Keine Unterstützung für PCs oder meine Apple-Geräte, was die Nutzung für kreative Szenarien wie eine interaktive Karte für Dungeons & Dragons unmöglich macht, was großartig gewesen wäre. Sicher, wir können über die Touch-Oberfläche des Beamers (sogar Multitouch!) agieren, um zum Beispiel YouTube zu steuern. Aber auf Tablets und Smartphones mit Smart Things beschränkt zu sein, ist schade. Wir können uns natürlich auch drahtlos mit PCs, iPads und allem Möglichen verbinden, aber der Premiere 5 verhält sich dann wie ein herkömmlicher Beamer. Diese Funktion, die eigentlich seine Stärke sein sollte, erweist sich mehr als Gimmick denn als die Revolution, die wir uns erhofft hatten.

Licht und Schatten
Das Premiere 5 ist ein Produkt mit zwei Gesichtern. Einerseits ist das Konzept äußerst interessant und vielseitig, das Design elegant und hochwertig, und die Audioqualität ist überraschend gut. Das Tizen-Software-Ökosystem ist funktional vollständig und ausgereift und bietet ein echtes Smart-TV-Erlebnis. Andererseits ist die Bildqualität für den Preis enttäuschend, mit einer 1080p-Auflösung, die bei großen Diagonalen unscharf wirkt. Die Touch-Funktion, die das Highlight sein sollte, ist unzuverlässig und auf ein geschlossenes Ökosystem beschränkt, was sie fast nutzlos macht. Hinzu kommt, dass die Tizen-Oberfläche langsam und wenig reaktionsschnell ist, ein wiederkehrender Fehler bei Samsung-Produkten.

Schlussfolgerungen
Diese Produktkategorie fasziniert uns bei Joypad, daher unser Interesse an The Premiere 5. Das Konzept ist genial und das Design tadellos. Leider wird die Ausführung den Ambitionen (und dem Preis) nicht gerecht. Die Bildqualität rechtfertigt nicht die Kosten, die Benutzeroberfläche frustriert durch ihre Langsamkeit und die Touch-Funktion, die revolutionär sein sollte, erwies sich als fehlgeschlagenes Experiment mit unakzeptablen Kompatibilitätsproblemen.

Mit einem Preis von 1750 CHF bleibt der The Premiere 5 ein Nischenprodukt, ein teures Designobjekt für wenige, ganz bestimmte Anwendungsfälle. Für denselben Preis kann man einen hochwertigen OLED-Smart-TV oder einen eher herkömmlichen 4K-Projektor mit unendlich besserer Bildqualität kaufen. Die Idee ist brillant, aber im Moment sind wir noch nicht ganz bei 100% angelangt.

